Die Anatomie des Vertrauens

von

„Ich vertraue dir nicht.“

Vier Worte, die in uns fast automatisch ein ungutes Gefühl auslösen, wenn wir sie hören. Aus welchem Grund ist das so? Was bedeutet es, jemandem zu vertrauen? Weshalb fällt uns hier eine Definition so schwer, wo doch Vertrauen die Basis jeder Zusammenarbeit sein sollte?

Was wissen wir? Vertrauen muss wachsen und kann nicht einfach auf Knopfdruck hergestellt werden. Jeder hat wahrscheinlich schon die Aufforderung „Vertrau mir!“ gehört. Hat dieser Satz allein Vertrauen hergestellt? Wohl kaum.

Definition für Vertrauen

Eine Definition für Vertrauen ist, das Risiko einzugehen, etwas das mir viel bedeutet, für eine andere Person angreifbar zu machen1 . Also zum Beispiel indem ich meinem Arbeitskollegen über meinen Karrierewunsch erzähle, der mir sehr wichtig ist. Denn woher weiß ich, ob er sich nicht darüber lustig macht oder sich mir in den Weg stellt? Und wie schaffe ich es als Führungskraft, dass mir mein Team vertraut?

Elemente des Vertrauens

Aus sozialpsychologischen Studien2 weiß man, dass sich Vertrauen aus sieben Elementen zusammensetzt. Hier ein Einblick:

  1.  Zuverlässigkeit führt zu Vertrauen. Ich bin zuverlässig, wenn ich das tue, was ich sage. Im Arbeitskontext heißt das auch, eigene Kompetenzen zu kennen und nicht zu viel zu versprechen. Nur so kann ich sicherstellen, dass ich getroffene Absprachen eingehalten kann und es schaffe, alle meine Prioritäten auszubalancieren.
  2. Integrität ist ein weiterer wichtiger Baustein, um Vertrauen aufzubauen. Integrität heißt, Aufrichtigkeit statt Bequemlichkeit zu wählen. Ich mache nicht das, was einfach ist, mir leichtfällt oder Spaß macht, sondern das, was richtig ist. Ich lebe nach meinen Werten, egal ob jemand hinschaut oder nicht.
  3. Überraschenderweise spielt auch Großzügigkeit eine Rolle beim Aufbau von Vertrauen. Wenn ich die großzügigsten Interpretationen für das Verhalten, die Worte und die Taten der anderen Menschen anwende, führt das zu Vertrauen. Was bedeutet das? Ein Beispiel: Wenn sich mein Mitarbeiter zu einem Termin verspätet, dann denke ich an einen Stau und nicht an eine persönliche Beleidigung mir gegenüber. Das merkt mein Gegenüber dann auch an meiner Reaktion, wenn er oder sie (zehn Minuten später als geplant) erscheint.
  4. Ein wichtige Fähigkeit, um Vertrauen zu schaffen, ist das Setzen von eigenen Grenzen und diese auch klar zu kommunizieren. Nur wenn ich meine eigenen Grenzen und die der Menschen in meiner Umgebung einhalte und beschütze, bin ich des Vertrauens anderer würdig. Hierzu ist im ersten Schritt elementar, in sich zu gehen und zu klären, wo die eigenen Grenzen sind. Welches Verhalten ist für mich okay, welches nicht?
  5. Die fünfte wichtige Säule, die Vertrauen trägt, ist die Übernahme von Verantwortung. Ich stehe genauso zu dem, was ich erfolgreich erschaffen habe wie zu den Eigenschaften oder Verhaltensweisen von mir, die ich noch verbessern kann.
  6. Auch Verschwiegenheit wird benötigt, um das Vertrauen anderer Menschen zu erlangen. Wenn ich von anderen Menschen Offenheit entgegengebracht bekomme, liegt es an mir, diesen Vertrauensbeweis anzunehmen, indem ich sensible Informationen für mich behalte und in keiner Situation zu meinem Vorteil nutze.
  7. Der letzte Punkt, der erwiesenermaßen für den Vertrauensaufbau wichtig ist, ist eine Einstellung. Die Einstellung, nicht zu verurteilen. Nur wenn wir uns selbst nicht für unsere Wünsche und Bedürfnisse verurteilen und auch bei unseren Kollegen diese nicht verurteilen, dann legen wir den Grundstein für das Vertrauen der Mitarbeiter in uns.

Ref.: 1Charles Feltman – Thin book of trust, 2008; 2Brené Brown, Rising Strong, 2015

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